25 Jahre litt Marlies Schörlin
aus Oberwangen unter dem Lärm, Gestank und Dreck des nahen Belagswerkes.
Nun, am Samstag,
erhielt sie die Gelegenheit, die komplett sanierte Anlage zum ersten Mal zu
besichtigen.
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Weit über 100
Interessierte drängten sich am Samstag auf den engen Treppen des
Belagswerkes Oberwangen.
Bild: Beat Mathys
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Marlies Schörlin auf dem Turm der
Anlage.
Am linken Bildrand, gleich über
dem Geländer, ist ihr Haus zu erkennen. |
Bild:
Beat Mathys
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Samstagmorgen in Oberwangen. Dicht hängt der Nebel über dem Wangental,
hüllt alles in Grau, dämpft den Lärm der nahen Autobahn noch mehr als die
Lärmschutzwände – ansonsten Ruhe. «Ja klar, heute läuft das Werk nicht»,
sagt Marlies Schörlin. Sie steht in ihrer Küche an der Wangenhubelstrasse
und serviert Kaffee. Seit 25 Jahren wohnt sie hier mit ihrer Familie. Genau
so lange litt sie auch unter dem «Werk», dem Belagswerk der Weibel AG, das
kaum 150 Meter oberhalb ihres Hauses steht. «Lärm, Gestank, öliger Dreck und
Feinstaub», so beschreibt sie die Belastungen durch die
Strassenbelagsproduktion.
Weniger Lärm und Dreck
Heute donnern keine Lastwagen mehr an ihrem Haus vorbei, die Luft riecht
nach Nebel und feuchtem Laub, der Ölfilm auf dem Gartenteich hinter dem Haus
ist verschwunden. Dies nicht nur, weil das Werk im Moment nicht produziert.
Die Weibel AG hat die alte Anlage im letzten Winter durch eine neue ersetzt.
Kostenpunkt 12 Millionen Franken (wir berichteten).
Umweltfreundlicher
Wo früher eine mit Schweröl betriebene 45-jährige Anlage vor sich hin
rostete, steht heute ein ganz in laubgrünes Wellblech eingehaustes
Belagswerk der neusten Generation. «Mit Heizöl extra leicht betrieben», wie
Schörlin nicht ohne Stolz erklärt. Denn die Umstellung des Werkes auf das
umwelt- und nasenfreundliche Brennmaterial war eine der Hauptforderungen,
welche die Anwohner in ihrem über 20-jährigem Kampf für die Sanierung
durchsetzten.
«Ein historischer Moment»
Nun, einen Monat nachdem das Werk zum Normalbetrieb überging, ist für
alle in Oberwangen ein wichtiger Moment: Die Weibel AG lädt zum Tag der
offenen Tür. Viele im Dorf scheinen diese Gelegenheit wahrzunehmen, dem
einst ungeliebten Nachbarn einen Besuch abzustatten. Einzeln oder in kleinen
Gruppen ziehen sie die Stahlengasse hinauf zum Werkstor. Auch Marlies
Schörlin macht sich auf den kaum fünfminütigen Weg. «Ich bin schon gespannt,
was wir zu sehen kriegen», sagt sie und tritt durch das für einmal offene
Werkstor. Für Marlies Schörlin ein historischer Moment: «Seit 25 Jahren ist
dies das erste Mal, dass ich hierher eingeladen werde.»
«Danke für die Sanierung»
Etliche Dutzend Einwohnerinnen und Einwohner haben sich morgens um 10 Uhr
versammelt, um einen Blick hinter die Kulissen des Werkes zu werfen. Auch
Marlies Schörlin schliesst sich einer der Besichtigungsgruppen an. Die
überdachten Silos für die Rohmaterialien werden gezeigt sowie der
Beladetunnel. Dann gehts hinein und hinauf in den über 40 Meter hohen
Mischturm der Anlage. Hier drängen sich Gruppen von Besuchern die engen,
filigranen Metalltreppen und Leitern hinauf bis unters Dach und hinaus auf
die winzige Dachterrasse. Manch einer sieht von hier sein Haus zum ersten
Mal von oben.
Positives überwiegt
Marlies Schörlin wirft einen Blick über das neblige Wangental und Haus
und Garten. Wieder unten angelangt trifft sie auf Samuel Probst,
Belagswerksleiter der Weibel AG und Gemeinderätin Rita Haudenschild (Grüne).
Die drei finden sich im Gespräch. Alte Misstöne schwingen dabei immer noch
mit. «Lange wurden wir nicht ernst genommen», sagt Schörlin. Was Probst so
nicht akzeptieren will. Es überwiegen aber positive Töne. «Ich bin froh,
dass ihr das Werk nun erneuert habt», sagt Schörlin weiter, «und will danke
sagen.» Auch Probst blickt zuversichtlich in die Zukunft: «Ich glaube, dass
jetzt Ruhe einkehren wird in Oberwangen». Gemeinderätin Haudenschild sagt:
«So ein Tag wie heute ist sehr wichtig für die Bevölkerung.» Die Menschen
könnten nun sehen, was gemacht wurde und wie die Anlage funktioniert. «Das
schafft Vertrauen und legt den Grundstein für ein positives Zusammenleben
zwischen Bevölkerung, Behörden und Weibel AG.» Schörlin fügt an «Ich hoffe,
das heute ein Neuanfang ist, auch in Sachen Kommunikation».
Berner Zeitung Erstellt: 26.10.2009, 00:35 Uhr