Diese Inschrift prangt auch auf
der grössten Glocke
im Kirchenturm von Oberwangen.
Kapelle
1271 Ulrich von Gravinried wird als in Oberwangen wohnend erwähnt. Er
ist Magister (studierter Geistlicher, Studium wahrscheinlich in Bologna),
und wahrscheinlich erster Geistlicher der Kapelle Oberwangen.
1275 Gründung durch die Herren von
Egerdon. Grabfunde lassen darauf schliessen, dass die Kapelle das nur
seltene Privileg einer Begräbnisstätte, durch den Bischof von Lausanne,
erhielt. Das Kirchweihfest wurde am ersten Sonntag nach dem Gallusfest (16.
Oktober) gefeiert.
Wer waren die Herren von Egerdon?
Um 1200 besitzt die Familie von Egerdon, die Dienstmänner der
Grafen von Neuenburg waren, grosse Teile der unteren Hälfte der Gemeinde
Köniz, so den ganzen Gurten, die Güter zu Setibuch, das Dorf Egerdon
(zwischen Herzwil und Liebewil), und das Wangental.
Um 1300 obwohl zu amtlichen Würden gekommen, gelangt die
Familie immer mehr in finanzielle Schwierigkeiten. Es werden nach und nach
Güter verkauft oder verschenkt (zum Heil ihrer Seelen). Sie besassen auch
ein Haus an der Herrengasse (früher Egerdon-Gasse).
1312 Egerdon verkauft den ganzen Gurten samt Burg dem
Deutschen Orden für 600 Pfund.
1336 der letzte männliche Spross stirbt.
Um 1300 die Kapelle kommt an die Brüder
zum Heiligen Geist.
1316 die Kapelle kommt an den
Deutschen Orden.
1528 Reformation. Auf Befehl des bernischen Rates verschwindet die Kapelle vom Erdboden. Ihre Steine wurden
wahrscheinlich als Baumaterial verwendet.
Kirche
Von
allen Seiten des Wangentales ist die Kirche Oberwangen von weitem sichtbar.
Sie ist das höchste Gebäude des Dorfes und fügt sich in ihrer Einfachheit
vorzüglich in die Landschaft ein.
1911 die Kirche Oberwangen wird als zweite Kirche der
Kirchgemeinde Köniz vom Berner Münsterbaumeister Karl Indermühle gebaut.
Anfangs März wurde mit dem Bau begonnen, bereits anfangs
Dezember konnte die Kirche eingeweiht werden. Die Baukosten betrugen samt
Bestuhlung und Umgebungsarbeiten Fr. 47’300.-. Dazu kamen noch Fr. 13’000.-
für Orgel, Turmuhr und Glocken.
Glockenaufzug:
Eindrücklich und beherzigenswert sind die
Glockeninschriften. Auf der ersten Glocke steht geschrieben: «Ehre sei Gott
in der Höhe».
Am unteren Rand der Glocke wird festgehalten, dass der
Pfarrkreis Oberwangen, Niederwangen, Herzwil, Liebewil und einen grossen
Teil von Thörishaus umfasst, am 1. Dezember 1910 1588 Einwohner zählte.
Heute hat sich diese Zahl mehr als verdoppelt.
Die mittlere Glocke trägt die Inschrift: «Denk o Mensch an
deinen Tod, säume nicht, denn eines ist not».
Die Inschrift der kleinen Glocke gibt uns zu bedenken:
«Bete und arbeite».
Die Glocken wurden von der Firma H. Rüetschi in Aarau
gegossen und sind auf den Dreiklang f-gis-c abgestimmt.
Sie wurden per Bahn nach
Thörishaus-Station geliefert und von den Schülern Oberwangen transportiert.
Als künstlerischer Schmuck sind die drei
Wappenscheiben erwähnenswert, die von der Nachbarkirchgemeinden Neuenegg und
Bümplitz (damals mit tz geschrieben) und von der Gesamtkirchgemeinde Bern
gestiftet wurden.
Der Kunstmaler E. Linck von Bern hat sie entworfen, Kirsch
und Fleckner von Freiburg haben sie ausgeführt.
1936 H. Zurflüh, damals Lehrer in Niederwangen, entwarf
drei Glasfenster, die vom Landfrauenverein Wangental gestiftet wurden und
heute das Chor der Kirche verschönern.
Ausgehend von der
Einteilung des Heidelberger-Katechismus:
von des Menschen Elend
von des Menschen Erlösung
von des Menschen Dankbarkeit
stellen sie den verlorenen Sohn, den
guten Hirten und den barmherzigen Samariter dar.
1948 das Kirchgemeindehaus und das
Pfarrhaus werden gebaut. Beide Gebäude werden in harmonischer Weise mit der
Kirche verbunden.
1972 Renovation des Innenraumes
der Kirche durch den Architekten Olivier Moser, Spiegel bei Bern.
Die Empore wurde um 3 Meter nach aussen vergrössert, die
Decke darüber erhöht, so dass die neue Orgel von der Firma Th. Kuhn,
Männedorf, mühelos eingebaut werden konnte.
Die Orgel hat zwei Manuale, 21 klingende Register und 1472
Pfeifen. Die neue Orgel hat sich in Gottesdiensten und Abendmusiken bestens
bewährt.
Der Taufstein wurde rechts vor dem Chor aufgestellt. Im
Chor steht nun ein sehr gediegener Abendmahlstisch. Die Beleuchtung wurde
mit zwei neuen Leuchtern wesentlich verbessert.
Der Innenraum ist durch die Renovation freundlicher und
heller geworden und wird jeden Besucher erfreuen. Mit 380 Besuchern war die
Kirche bei einer Konfirmationsfeier ganz besetzt.
1979 der Vorplatz der Kirche wird ansprechend umgestaltet.
Die schmucke Kirche bildet bis heute aussen und innen eine Zierde unseres
Dorfes.